Ein Vorstellungsgespräch in dieser Branche dauert selten lange und wird selten in einem Besprechungsraum geführt. Üblich sind das Büro der Disposition, der Tisch im Sozialraum, der Stehtisch neben der Rampe. Das Gespräch ist damit nicht weniger wichtig — im Gegenteil: Es ist in vielen Fällen die einzige Gelegenheit, die Dinge zu klären, die später den Alltag bestimmen. Dieser Text beschreibt, was gefragt wird, was Sie selbst fragen sollten und wie mit Probearbeiten und Probefahrt umzugehen ist.
Wie das Verfahren abläuft
In aller Regel steht am Anfang ein Telefonat, oft am Tag der Bewerbung. Dort werden Verfügbarkeit, Nachweise und Schichtbereitschaft abgeglichen, und wenn es passt, wird ein Termin vereinbart. Das eigentliche Gespräch dauert dann eine halbe Stunde bis eine Stunde, meist mit dem Schicht- oder Lagerleiter, im Fahrbetrieb mit dem Disponenten oder dem Fuhrparkleiter.
Bringen Sie alle Nachweise im Original mit, auch wenn Sie Kopien geschickt haben: Führerschein, Fahrerqualifizierungsnachweis, Fahrerkarte, ADR-Bescheinigung, Staplerschein. Nichts hält ein Gespräch schneller auf als die Auskunft, das Papier liege zu Hause. Kleiden Sie sich sauber und praktisch, und tragen Sie feste Schuhe — ein Rundgang durch Halle oder Betriebshof gehört fast immer dazu, und ohne geschlossenes Schuhwerk kommen Sie in manchen Betrieben nicht über die Türschwelle.
Die Fragen, die kommen
Sie sind fast überall dieselben und sie sind praktisch. Was Sie zuletzt bewegt haben — Warenart, Gewichte, Geräte, Systeme. Welche Fahrzeuge Sie gefahren sind und ob Sattelzug, Gliederzug und Anhängerbetrieb dabei waren. Wie viele Stopps oder Picks Sie in einer Schicht geschafft haben. Ob Sie Ladungssicherung selbst gemacht haben und wie Sie dabei vorgehen; wer dafür haftet, ist unter Ladungssicherung beschrieben.
Dazu kommen die Fragen zur Verfügbarkeit: ab wann, welche Schichten, wie weit ist die Anfahrt, wie kommen Sie um vier Uhr morgens her. Und die Frage nach dem Grund für den Wechsel. Eine sachliche Antwort genügt — kürzerer Weg, andere Schicht, Auslaufen der Befristung, Ende eines Einsatzes. Schlecht über den bisherigen Arbeitgeber zu reden, schadet ausschließlich der eigenen Seite.
Rechnen Sie im Fahrbetrieb damit, dass die fachliche Frage konkret wird: Wie Sie eine Palettenladung sichern, was Sie tun, wenn die Lenkzeit vor dem Ziel ausläuft, wie Sie mit einer verschlossenen Rampe umgehen. Das ist keine Prüfung mit einer einzigen richtigen Lösung, sondern die Frage, wie Sie an eine Aufgabe herangehen. Die Regeln dahinter stehen unter Lenk- und Ruhezeiten.
Was Sie selbst fragen sollten
Hier liegt der eigentliche Wert des Termins. Die folgenden Punkte entscheiden darüber, wie ein Arbeitstag in diesem Betrieb aussieht, und sie stehen in keiner Stellenanzeige:
- Schichtmodell und Rotation. Welche Schichten, in welchem Rhythmus, vorwärts oder rückwärts rotierend, wie viele Nächte am Stück, wie die Wochenenden verteilt sind. Was Wechselschicht mit Schlaf und Körper macht, steht unter Schichtarbeit und Gesundheit.
- Nah- oder Fernverkehr und Tourenlänge. Tägliche Rückkehr oder Wochentour, wie viele Nächte auswärts im Monat, feste Tour oder wechselnde Disposition.
- Übernachtung: wo genau. Nach Artikel 8 Absatz 8 der Verordnung (EG) Nr. 561/2006 dürfen regelmäßige wöchentliche Ruhezeiten nicht im Fahrzeug verbracht werden; der Arbeitgeber hat eine geeignete Unterkunft zu stellen und trägt die Kosten. Fragen Sie, wie das im Betrieb tatsächlich organisiert ist. Zur Abrechnung siehe Spesen und Übernachtung im Fernverkehr.
- Fahrzeugalter und Ausstattung. Baujahr, Laufleistung, Automatikgetriebe, Standklimaanlage, Standheizung, gefederter Sitz, Assistenzsysteme. Ein alter Wagen ist nicht per se schlecht, ein schlecht gewarteter schon.
- Stopps oder Picks je Schicht. Die reale Zahl, nicht die Zielzahl. Fragen Sie zusätzlich, wie viele davon an einem normalen Tag tatsächlich erreicht werden.
- Leistungsvorgaben und was bei Abweichung passiert. Gibt es eine Vorgabe je Stunde, wird sie ausgewertet, hängt Entgelt daran, und was geschieht, wenn sie über Wochen nicht erreicht wird.
- Wer be- und entlädt. Fährt der Fahrer nur oder lädt er mit, gibt es Verladepersonal, ist ein Mitnahmestapler vorhanden, wie schwer sind die Kolli.
- Zeitfenster an der Rampe. Feste Zeitfenster oder Ankunft nach Verfügbarkeit, wie lange die durchschnittliche Abfertigung dauert, wie oft Touren deswegen platzen.
- Bezahlung von Wartezeit und Standzeit. Was passiert mit den Stunden an der Rampe, im Stau, bei Verzögerung im Zoll. Sind sie Arbeitszeit, werden sie vergütet, laufen sie auf ein Konto, oder fallen sie unter eine Pauschale.
- Überstunden und Arbeitszeitkonto. Auszahlung, Freizeitausgleich, Kappungsgrenze, Verfall zum Jahresende.
- Einarbeitung. Wie viele Tage in Begleitung, wer sie macht, ob es eine Einweisung in Fahrzeug, Anlage und System gibt und wann die schriftliche Beauftragung für Flurförderzeuge erfolgt.
- Wer die Weiterbildung bezahlt. Die Weiterbildung nach dem Berufskraftfahrerqualifikationsgesetz ist alle fünf Jahre fällig und umfasst nach § 4 Abs. 2 BKrFQV 35 Unterrichtseinheiten. Wer sie bezahlt und ob sie als Arbeitszeit zählt, regelt das Gesetz nicht — das steht im Arbeits- oder Tarifvertrag oder nirgends. Fragen Sie danach und lassen Sie sich die Antwort schriftlich geben. Der Rahmen dazu steht unter Berufskraftfahrerqualifikation.
Zwölf Fragen sind zu viele für ein Gespräch. Wählen Sie die fünf aus, die für Ihre Stelle den Unterschied machen, und stellen Sie den Rest, sobald ein Angebot auf dem Tisch liegt.
Der Rundgang
Der Rundgang ist keine Höflichkeit, sondern Ihre Gelegenheit zur Prüfung. In zehn Minuten sehen Sie mehr als in jeder Anzeige. Achten Sie auf den Zustand der Flurförderzeuge und der Fahrzeuge, auf Ordnung in den Gassen, auf die Beleuchtung, auf Wege und Verkehrsführung zwischen Staplern und Fußgängern.
Sehen Sie sich an, in welchen Höhen kommissioniert wird und wie schwer die Kolli sind — das bestimmt den Verschleiß der nächsten Jahre; dazu Kommissionieren und Greifhöhen. Fragen Sie, ob Schutzausrüstung gestellt wird, wie oft sie ersetzt wird und ob Sicherheitsschuhe und Winterkleidung zulasten des Betriebs gehen. Und achten Sie auf den Ton: Wie über Kollegen gesprochen wird, die gerade nicht dabei sind, sagt zuverlässig voraus, wie über Sie gesprochen wird, sobald Sie nicht im Raum sind.
Probearbeiten und Probefahrt
In dieser Branche ist ein praktischer Teil häufig Bestandteil des Verfahrens. Im Lager ist das eine Schicht zum Mitlaufen, im Fahrbetrieb eine Probefahrt auf dem Hof oder auf einer kurzen Tour, oft mit Rangieren und Ankuppeln. Das ist sinnvoll: Der Betrieb sieht, wie Sie arbeiten, und Sie sehen, wie der Tag wirklich läuft.
Entscheidend ist die Abgrenzung. Eine Probefahrt von einer Stunde unter Aufsicht ist etwas anderes als ein voller Tag, an dem Sie eingeplant sind und Ihre Leistung dem Betrieb zugutekommt. Sobald Sie in die Schicht eingerechnet werden, Aufträge abarbeiten oder eine Tour fahren, ist das Arbeit, und Arbeit wird vergütet.
Klären Sie das vorher und schriftlich, und seien es zwei Sätze per Mail: an welchem Tag, von wann bis wann, welche Tätigkeit, ob und wie vergütet wird, wie es um Versicherungsschutz und Schutzausrüstung steht und wer bei einem Schaden am Fahrzeug einsteht. Fünf Minuten Schreibarbeit ersparen den Streit, der sonst regelmäßig genau an diesem Punkt entsteht.
Wird daraus eine Einstellung, folgt in der Regel eine Probezeit — eine vereinbarte Phase im laufenden Arbeitsverhältnis mit verkürzter Kündigungsfrist, beschrieben unter Probezeit. Über das Entgelt wird meist im selben Termin gesprochen; worauf es dabei ankommt, steht unter Gehalt verhandeln. Wer vorher noch Vergleichsangebote sehen möchte, findet sie in den offenen Stellenangeboten.
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