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Bewerbung

Das Anschreiben in Lager und Logistik: wann es zählt

Bei vielen Stellen im Lager und in der Zustellung entscheidet das Formular und nicht der Text. Wo ein Anschreiben trotzdem den Ausschlag gibt und was dann hineingehört.

6 Min. Lesezeit von Steven Schulz

Über Bewerbungsratgeber hinweg gilt das Anschreiben als das Herzstück der Bewerbung. In Lager, Umschlag und Zustellung stimmt das für einen großen Teil der Stellen schlicht nicht. Dieser Text sagt deshalb zuerst, wo ein Anschreiben nichts bewirkt und woran stattdessen entschieden wird, und danach, in welchen Bereichen dieser Branche es sehr wohl den Ausschlag gibt und was dann hineingehört. Gemeint sind Bewerbungen bei Speditionen, Kontraktlogistikern, Paket- und Postdiensten, Handelslagern, Werkslagern von Industriebetrieben und Personaldienstleistern.

Der unbequeme Teil zuerst

Bei Helfer-, Kommissionier-, Zustell- und vielen Fahrerstellen läuft die Bewerbung über ein Formular mit festen Feldern: Verfügbarkeit, Führerscheinklassen, Schichtbereitschaft, Wohnort, Nachweise. Ausgewertet werden diese Felder, oft maschinell vorsortiert und anschließend am Telefon geklärt. Der angehängte Fließtext wird in vielen Fällen nicht geöffnet.

Entschieden wird an drei Größen, und keine davon steht in einem Anschreiben: Verfügbarkeit, Nachweis, Schichtbereitschaft. Wer ab dem Ersten anfangen kann, wer den Staplerschein oder die Schlüsselzahl 95 hat und wer Nacht- oder Wechselschicht nicht ausschließt, wird eingeladen. Wer erst in drei Monaten frei ist, wird auch mit dem besten Text nicht eingeladen, weil die Schicht nächste Woche besetzt sein muss.

Daraus folgt eine praktische Regel, die dem üblichen Rat widerspricht: Stecken Sie die Mühe zuerst in die Felder, die tatsächlich ausgewertet werden, und erst danach in einen Text. Ein sorgfältig formulierter Absatz über die eigene Motivation nützt nichts, wenn im Feld zur Schichtbereitschaft nichts steht oder das Ablaufdatum der Fahrerlaubnis fehlt. Und halten Sie das Telefon erreichbar. In dieser Branche wird zurückgerufen, nicht geschrieben, und häufig noch am selben Tag.

Wo das Anschreiben sehr wohl entscheidet

Es gibt einen klar abgrenzbaren Teil der Branche, in dem ein Text gelesen wird, und zwar aufmerksam. Das ist überall dort der Fall, wo auf eine Stelle nicht dreißig, sondern fünf Bewerbungen eingehen und die Bewerber sich in den harten Daten kaum unterscheiden.

In der Disposition ist Schriftverkehr ein Großteil der Arbeit: Aufträge, Reklamationen, Mitteilungen an Kunden und Fahrer, Nachweise gegenüber dem Auftraggeber. Wer sich um eine Dispositionsstelle bewirbt, liefert mit dem Anschreiben eine Arbeitsprobe ab, ob er will oder nicht. Dasselbe gilt für das Speditionsbüro, für Sachbearbeitung in Zoll, Abrechnung und Auftragsannahme.

Bei Schicht- und Teamleitung geht es um eine Führungsaufgabe, und die Frage lautet, wie jemand über Menschen und über Probleme spricht. In der Kontraktlogistik kommt hinzu, dass der Standort für einen einzelnen Auftraggeber arbeitet: Wer dort einsteigt, muss verstehen, dass Kennzahlen, Inventuren und Reklamationen gegenüber einem Kunden vertreten werden. Auch kleinere Speditionen mit zehn bis dreißig Fahrzeugen lesen mit, weil dort der Inhaber oder der Disponent die Bewerbungen selbst öffnet.

Was in dieser Branche oben stehen muss

Die Angaben, die hier zählen, sind andere als in fast jedem anderen Arbeitsmarkt. Sie gehören in die ersten Zeilen und nicht auf die zweite Seite des Lebenslaufs:

  • Fahrerlaubnisklassen mit Ablaufdatum. Die Klassen C1, C1E, C und CE werden nach § 23 Abs. 1 FeV längstens für fünf Jahre erteilt. Ein Betrieb muss wissen, ob die Klasse noch läuft und wann sie verlängert werden muss. Näheres dazu steht unter Führerscheinklassen C und CE.
  • Schlüsselzahl 95 oder Fahrerqualifizierungsnachweis, dazu das Jahr der letzten Weiterbildung. Ohne diesen Nachweis darf ein Unternehmer die Fahrt nach § 3 Abs. 4 BKrFQG weder anordnen noch zulassen; die Einzelheiten stehen unter Berufskraftfahrerqualifikation.
  • ADR-Schulungsbescheinigung, mit der Angabe, ob es der Basiskurs ist oder Aufbaukurse hinzukommen. Siehe Gefahrgut und ADR-Schein.
  • Staplerschein, und zwar mit dem Fahrzeugtyp: Frontstapler, Schubmaststapler, Kommissionierer in der Höhe. Was hinter dem Papier steht, erklärt der Flurförderzeugschein.
  • Lagerverwaltungssysteme und Geräte, mit denen Sie tatsächlich gearbeitet haben: welches System, Handscanner, Ringscanner, Pick-by-Voice, Staplerterminal.
  • Schichtbereitschaft, konkret. Früh und Spät, Dauernacht, Wechselschicht mit Wochenendrotation, Zustellung am Samstag. Eine ehrliche Angabe spart beiden Seiten ein Gespräch.
  • Nah- oder Fernverkehr, dazu die Bereitschaft zur Übernachtung. Wer nur Nahverkehr fahren will, sagt das im ersten Absatz.
  • Bezirkskenntnis in der Zustellung: welche Stadt, welche Bezirke, wie lange. Wer einen Bezirk kennt, spart dem Betrieb Wochen der Einarbeitung, und das ist ein Argument, das jeder Zustellstützpunkt sofort versteht.

Wer diese Punkte auf einer halben Seite unterbringt, hat mehr gesagt als jede vollgeschriebene Seite mit allgemeinen Wendungen.

Kurz, sachlich, ohne Floskeln

Eine halbe Seite reicht, fünf bis sieben Sätze. Der erste Satz nennt die Tätigkeit, die Nachweise und den Grund der Bewerbung. Etwa so: Berufskraftfahrer, CE mit Schlüsselzahl 95 gültig bis 2029, sieben Jahre Nahverkehr im Stückgut, sucht eine Stelle mit täglicher Rückkehr in der Region. Das ist unglamourös und beantwortet vier Fragen auf einmal.

„Teamfähig, motiviert und belastbar" steht in jeder zweiten Bewerbung und trägt deshalb keine Information mehr. Ersetzen lässt sich das durch Tätigkeiten. Statt belastbar: vier Jahre Dauernachtschicht im Wareneingang. Statt zuverlässig: Bezirk mit rund hundertachtzig Stopps über zwei Jahre allein gefahren. Statt selbständig: Touren selbst nachdisponiert, Retouren und Nachnahmen eigenständig abgerechnet. Wer die Arbeit beschreibt, beschreibt sich selbst mit.

Die Initiativbewerbung und der Weg über den Betriebshof

Viele Werkslager von Industriebetrieben und viele mittelständische Speditionen schreiben nicht dauerhaft aus. Sie melden Bedarf, wenn jemand kündigt, und besetzen vorher aus dem Stapel der Initiativbewerbungen oder über eine Empfehlung aus der Schicht. Eine Initiativbewerbung ist hier also kein Notbehelf, sondern ein üblicher Weg, und sie funktioniert genauso wie jede andere Bewerbung: dieselben Angaben, nur mit einem anderen Grund im ersten Satz — dass der Standort in Ihrer Nähe liegt, dass Sie die Fahrzeuge kennen, dass Sie die Art von Ware schon bewegt haben.

Rechnen Sie damit, dass eine solche Bewerbung liegen bleibt, bis eine Stelle frei wird. Das ist keine Absage. Setzen Sie sich eine Erinnerung und melden Sie sich nach zwei bis drei Monaten noch einmal mit zwei Sätzen. Wer in dieser Zeit einen Nachweis dazugewonnen hat — den Staplerschein, einen Aufbaukurs, eine neue Fahrerlaubnisklasse —, hat damit zugleich einen sachlichen Anlass für die zweite Mail.

Form, Anhänge, Nachfassen

Eine E-Mail, ein Anhang, ein PDF. Der Betreff nennt die Tätigkeit und, wenn vorhanden, die Kennziffer der Stelle. In den Mailtext gehören Telefonnummer und Wohnort, weil zurückgerufen wird. Der Dateiname enthält Ihren Namen und die Tätigkeit; eine Datei mit dem Namen „Bewerbung final neu" hilft niemandem.

In den Anhang gehören der Lebenslauf und die Nachweise, die etwas belegen: Führerschein, Fahrerqualifizierungsnachweis, ADR-Bescheinigung, Staplerschein, Fahrerkarte, Abschlusszeugnis. Nicht alles, was Sie haben. Wie der Lebenslauf dazu aufgebaut wird und wo die Nachweise im Dokument stehen, ist unter Lebenslauf beschrieben.

Ein besonderer Fall sind Personaldienstleister. Dort ist die Bewerbung meist ein Telefonat und ein Termin im Büro, und das Anschreiben spielt keine Rolle. Was diese Beschäftigungsform für Entgelt und Einsatzdauer bedeutet, sollte man vorher wissen; das steht unter Zeitarbeit in der Logistik.

Nach etwa einer Woche dürfen Sie anrufen, und in dieser Branche wird das selten als aufdringlich empfunden. Rufen Sie nicht zur Schichtübergabe an und nicht am Montagvormittag, wenn die Touren aufgelegt werden. Zwei Sätze genügen: ob die Bewerbung angekommen ist und wann mit einer Rückmeldung zu rechnen ist.

Wird daraus ein Termin, verschiebt sich die Vorbereitung auf ganz andere Fragen — Schichtmodell, Tourenlänge, Leistungsvorgaben, Probefahrt. Was dort auf Sie zukommt, steht unter Vorstellungsgespräch, und worüber danach zu reden ist, unter Gehalt verhandeln. Wer noch nicht weiß, wohin die Bewerbung gehen soll, verschafft sich am besten zuerst einen Überblick über die offenen Stellenangebote und über die Stellen für Berufskraftfahrer in der eigenen Region.

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